105 Oder Nicht

Der öffentliche Nahverkehr  ist ein großes Thema, denn sehr viele Oberhausener nutzen täglich die Angebote der STOAG. Sie fahren zur Schule oder zur Arbeit, aber auch für den Besuch der Oma oder des Schwimmbades werden Bus und Bahn benutzt.

Eine Woche vor dem ersten Ratsbürgerentscheid in Oberhausen haben wir die Stimmen der Oberhausener Bürger zur geplanten Straßenbahnlinie 105 eingefangen. In diesem filmischen Dokument lassen wir sowohl Befürworter als auch Gegener zu Wort kommen, ohne dabei Partei beziehen zu wollen.

 

 

Zur Ausgangssituation In Oberhausen

Seit dem späten 19. Jahrhundert verkehrten Straßenbahnen in Oberhausen sehr erfolgreich, zahlreiche Linien verbanden zum einen die Stadtteile miteinander und zum anderen Oberhausen mit seinen Nachbarstädten. Doch der Zeitgeist änderte sich und der zunehmende Individualverkehr brauchte mehr Raum. So verabschiedete sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhundert die Straßenbahn aufgrund des politischen Willens aus Oberhausen, 1974 wurde schließlich die letzte Linie stillgelegt.

Im Gegensatz zu Oberhausen trieben die Nachbarstädte fast zeitgleich den Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs voran, sodass städteübergreifende, schnelle Verbindungen zwischen den Ruhrgebietsstädten entstanden. Essen z.B.  begann seine Straßenbahn unter die Erde zu verlegen. Seit 1898 bestand bereits eine Verbindung von Essen-Borbeck über Essen-Dellwig nach Oberhausen. Die heute geplante Verbindung  zwischen der Essener und Oberhausener Innenstadt hat es auf ähnlicher Strecke natürlich auch schon gegeben.

Als sich 1996 das neue Einkaufszentrum „Centro“ im Bau befand, wurde nach etwas mehr als 20 Jahren Pause die Straßenbahn in Oberhausen wieder eingeführt. Die Linie 112 fährt seitdem von Mühlheim kommend ab Oberhausen Hauptbahnhof vorbei am „Centro“ bis nach Oberhausen-Sterkrade auf einer eigens erbauten Beton-Trasse.

Heute, 2015, ist geplant die Städte des Ruhrgebiets wieder besser zu verbinden. Gerade in Oberhausen als fast straßenbahnlose Insel kam so der  Gedanke auf, Lücken zu schließen. Mit der drei Kilometer langen Verbindung zwischen der Stadtgrenze zu Essen und dem „Centro“  sollte ein weiterer  Schritt getan werden. Die mit Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro veranschlagte Strecke war aber in Oberhausen ist sehr umstritten. Oberhausen ist 2015 mit ca. zwei Milliarden Euro überschuldet. Es muss überall gespart werden: sowohl in der Kultur als auch bei der Jugendarbeit. Aber auch der ÖPNV Angebot musste bereits Federn lassen.

Diese Ausgangssituation hat in Oberhausen dazu geführt, dass sehr hitzig über die mögliche Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 diskutiert wurde. Für erfahrene ÖPNV-Nutzende war klar, dass es zum einen bereits eine schnellere Verbindungen zwischen den Zentren der Städte Oberhausen und Essen bereits gibt (nämlich mit der S-Bahn). Zum anderen ist auch heute schon die Anbindung nach Oberhausen-Mitte von der Endhaltestelle der Line 105 „Unterstraße“ in Essen durch eine Buslinie gegeben. Es stand also fest, dass der Mehrwert für die Bürger in Oberhausen nur gering sein würde.

Das Bündnis der Befürworter hat im Gegensatz dazu die Chancen für die Stadt Oberhausen betont: eine bessere Erschließung des ehemaligen Stahlwerksgeländes sowie mehr Komfort.  Die Argumente können hier natürlich nur sehr grob dargestellt werden, doch zusammengefasst kann man sagen, dass vielen Bürgern die hohen Kosten des Projektes aufgestoßen sind.

Im Jahr 2015 gab es zum ersten Mal in Oberhausen einen Ratsbürgerentscheid. Diese für Oberhausen neue Form der direkten Demokratie war ein gutes Mittel, über ein so kontrovers diskutiertes Thema zu entscheiden. Am 8. März 2015 stimmten die Oberhausener zu 57% gegen den Lückenschluß.

Für uns, den Presseklub, war der erste Ratsbürgerentscheid in Oberhausen eine gute Gelegenheit, eine Woche vor der Abstimmung mal zu hören, was die Bürger auf der Straße zu dem Thema zu sagen haben.

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